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Von smarten weckern bis oled-klons: der mann, der fernseher entzaubert

Richard W. Schaber hat keine Lust mehr auf Marketing-Geschwafel. Seit er mit zwölf Jahren an dem riesigen Windows-95-Rechner im Elternhaus herumdokterte, versteht er Technik als Material für ehrliche Fragen: Funktioniert das wirklich – oder nur auf dem Papier? Heute, knapp drei Jahrzehnte später, sitzt er in einem bescheidenen Münchener Büro und lässt Mini-LED-Sets gegen OLED-Flaggschiffe antreten, bis die ersten Pixel erblinden.

Der testraum als letzte bastion gegen werbehype

Was ihn antreibt, ist keine Gadget-Lust, sondern purer Ekel vor halbgaren Produkten. „Ich habe gesehen, wie Amazon Fire TVs mit unverschämter Werbung die Top-Bewertung verspielen“, sagt er und schiebt ein 65-Zoll-Gerät von TCL auf den Messplatz. Die Messinstrumente registrieren Input-Lag, Farbraum und Stromverbrauch – Zahlen, die später den Kaufentscheidungen von Lesern auf Hardware-Journal.de zugrunde liegen.

Der Bogen spannt sich von 50-Euro-Smart-Weckern bis zu Fernsehern für 3 000 Euro. Dabei ist Schaber kein Technik-Heini im Guckloch-Pullover. Er redet Tacheles, schreibt wie ein Kommissar, der Beweise sichert. Als Bang & Olufsen vor zwei Jahren seine Audio-Lizenz an ein günstiges China-TV verscherbelte, baute er ein 2.1-Set aus Messmikrofonen auf und bewies: Der Klang bleibt blechern, egal wie sehr die Werbeagentur von „dänischer Klangsee“ schwafelt.

Mini-led als tod von oled? die labortabelle sagt ja

Mini-led als tod von oled? die labortabelle sagt ja

Die neueste Kampfansage kommt aus dem Keller seiner Redaktion: ein 55-Zoll-Mini-LED-Modell von HiSense für 899 Euro, das im Kontrastmessstand OLED-Geräte von LG und Samsung überholt. Schwarzwert: 0,0003 cd/m² – ein Wert, für den Hersteller früher vierstellige Preise aufriefen. „Die billigen Panzer haben gelernt, das Licht punktgenau zu ersticken“, kommentiert er trocken. Für Otto Normalverbraucher bedeutet das: Der Traum vom perfekten Schwarz ist längst kein Luxus mehr.

Trotzdem hält er OLED-Fans den Spiegel vor: „Eure Panels brennen nach wie vor ein, wenn ihr Tag für Tag den Wetterbericht schaut.“ Sein Tipp: Fernseher mit Panel-Wechsel-Modus nutzen oder gleich zu Mini-LED greifen. Die Technologie sei noch nicht zuckersüß, aber reif genug für den Massenmarkt.

2024 will er 120 Geräte durchprügeln, Tendenz steigend. Dabei bleibt seine Devise unverändert: Alles auseinanderschrauben, bis die letzte Schraube singt. Seine Stimme klingt rau, weil er in abgedunkelten Räumen stundenlang auf Flimmern starrt. Dafür weiß er präzise, welcher Streaming-Stick tatsächlich 4 liefert und welcher nur heiße Luft.

Während andere Redaktionen Labortests als Beiwerk behandeln, baut Schaber seine Messroutinen aus. Jeder versteckte Werbebanner, jede versteckte Helligkeitsdrossel landet im Protokoll. Die Hersteller nennen ihn „den Mann, der uns schläft“. Seine Leser nennen ihn einfach den letzten echten Hardware-Journalisten – und kaufen danach, wenn er wieder einmal ein vermeintliches Premium-Produkt zerlegt. Für Schaber selbst zählt nur eine Bilanz: 20 Jahre voller拆 (Zerlegen), null Kompromisse, unendlich viele verhinderte Fehlkäufe. Die Rechnung geht auf – und sie wird schärfer mit jedem Pixel, der ihm zu schön erscheint, um wahr zu sein.